​Erdbebensicher Bauen nach Eurocode 8

13.04.2011

Laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) werden in Österreich jährlich rund 40 Erdstöße verzeichnet, die von der Bevölkerung wahrgenommen werden.

Trotz dieser, im europäischen Vergleich, geringen Häufigkeit können einige Erdbeben zu Gebäudeschäden führen. Aus diesem Grund regelt eine europaweite Verordnung seit Juni 2009 die Baunormen im Bereich der Erdbebensicherheit. Der sogenannte Eurocode 8 wurde im Rahmen des Eurocodes, des neuen Normensystems im Bauweisen, eingeführt. Dieser verlangt die Erbringung eines rechnerischen Nachweises für jede konstruktive Maßnahme, so auch für die erdbebensichere Umgestaltung von Bestandsobjekten. Eine Anforderung, die besonders in puncto Dachausbau bei Experten für Aufregung sorgte.

Um Statikern, Ziviltechnikern, Architekten und Bauherren die Planung von Aufstockungen zu erleichtern, hat die zuständige Wiener Magistratsabteilung MA 37 Richtlinien entworfen, die bei Erfüllung eine ausführliche Berechnung hinfällig machen. Neben der Tatsache, dass es sich bei dem Gebäude um ein Gründerzeithaus im originären Zustand handeln muss, darf die Aufstockung nur in Leichtbauweise erfolgen und eine zusätzliche Last von 720 kg/m2 nicht überschreiten. „Diese Vorgaben führten zu der Annahme, dass Dachgeschoßausbauten nur mehr in Leichtbauweise ausgeführt werden können“, erklärt DI Alexander Katzkow. Ein weitverbreiteter Irrtum. So sind die Richtlinien lediglich als Hilfestellung anzusehen. „Natürlich bleibt es jedem Planer selbst überlassen, sich dennoch für die kosten- und zeitintensive Berechnung mittels Eurocode zu entscheiden“, so Katzkow. „Zu diesem Zweck ziehen wir ein spezielles Computerprogramm heran, dass durch Erdbebensimulationen die nötigen Stabilisierungsmaßnahmen im Falle eines Umbaus aufzeigt.“

Internationale Erfahrung

Das neue Berechnungsprogramm sieht Katzkow als lohnende Investition für die Zukunft. Und der Ziviltechniker weiß, wovon er spricht. So hat er bereits im Rahmen zahlreicher Projekte in Osteuropa seine Kompetenz in puncto erdbebensicheres Bauen unter Beweis gestellt. „Besonders in Ländern wie Rumänien und Serbien, wo wir seit Jahren die unterschiedlichsten Projekte realisieren, ist aufgrund der hohen Erdbebenwahrscheinlichkeit auf eine erdbebensichere Bauweise zu achten“, so der Experte. Das gilt neben dem Umbau von Bestandsobjekten natürlich auch für Neubauten. Katzkow: „Egal ob neues Gebäude oder Altbau – wir bieten unseren Kunden in jedem Fall geschlossene Lösungen, berechnet nach Eurocode 8, an.“ So auch im Falle eines aktuellen Umbaus in der Wiener Hernalser Hauptstraße.

Österreichisches Vorzeigeobjekt

Neben einem ausgebauten Dachgeschoß wird das 1886 erbaute Gründerzeithaus, das sich zwischen Jörgerbad und Metropol befindet, um zwei aufgestockte Vollgeschoße erweitert. Zudem entsteht unter dem bestehenden Keller ein weiteres Tiefgeschoß. „All diese baulichen Maßnahmen galt es in die Berechnung mit einzubeziehen“, erklärt Katzkow. Mit Hilfe des Berechnungsprogramms wurde zunächst das Verhalten des umgebauten Gebäudes im Falle eines Erdbebens ohne statische Ersatzmaßnahmen simuliert (siehe Video). In Folge wurden am Computer diverse bauliche Maßnahmen eingefügt, um zu testen, wie diese das Verhalten des Gebäudes verändern. „Letztlich haben wir uns für Verstärkungskonstruktionen in der Außenwand entschieden“, so der Ziviltechniker. Diese hält laut den Computersimulationen einem Erdbeben mit einer Reverenzbodenbeschleunigung von 0,8 m/s² Stand. (siehe Grafik)

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